CSE - Freimessen von Behältern und engen Räumen 

Die Arbeit in so genannten „Engen Räumen“ wie Kanälen, Schächten, Behältern oder Silos steht aufgrund ihrer besonderen Gefahren immer mehr im Fokus der Experten für Arbeitssicherheit. Diese allgemeine Sensibilisierung für dieses Thema ist sehr erfreulich, weil bisher eher die sichtbaren Gefahren, die während der Arbeit entstehen können, bevorzugt behandelt wurden. Das ist verständlich, denn der Mensch fürchtet sich intuitiv vor dem was er sieht, hört oder fühlt. Ein unsichtbarer Feind wie ein erstickendes, toxisches oder explosives Gas ist aber gerade dadurch tödlich, weil es so heimtückisch ist. Was früher in den Betrieben allgemein als das „Betreten enger Räume“ geschult wurde, wird heute unter dem Begriff CSE verstanden. CSE steht für Confined Space Entry und bedeutet nichts anderes als früher die Freimessung. Einer der wichtigsten Punkte einer solchen Schulung für Freimessungen ist der Messvorgang an sich und hier kommt es nicht selten zu Unklarheiten in Bezug auf die Handhabung. Namhafte Hersteller sowie anerkannte, zertifizierte Betriebe lehren dabei die Methode, die die höchste Sicherheit für den Mitarbeiter gewährleistet. Dafür wird ein Gaswarngerät benutzt, welches Messsensoren für alle Gasarten besitzt, die aufgrund einer Gefährdungsbeurteilung bei bestimmten Anwendungen auftreten können. Des Weiteren muss dieses Gerät über eine eingebaute oder aufgesteckte Pumpe verfügen. Über einen Adapter wird diese Pumpe mit einem Spezial-Schlauch verbunden der dann in die Gefahrenzone eingeführt wird. Die Pumpe befördert die Luft zu den Messzellen des Gerätes und ermöglich eine schnelle Luftmessung und zwar ohne, dass sich ein Mitarbeiter selbst in Gefahr begibt. Sollte Wasser oder eine andere Flüssigkeit zu erwarten sein, dann ist der Einsatz einer zusätzlichen Schwimmersonde sinnvoll, die vor dem Eindringen dieser Flüssigkeiten in den Schlauch und später in das Gaswarngerät schützt. Für spezielle Anwendungen wie zum Beispiel die Entgasung eines Containers oder Messungen in der Höhe ist ein Schlauch oft zu biegsam. In solchen Fällen leisten so genannte Lanzen gute Dienste. Sie sind steif und in verschiedenen Längen und Bauarten erhältlich. Soweit die Theorie… In der Praxis kommt es immer noch vor, dass Mitarbeiter ein Gaswarngerät ohne Pumpfunktion an einem Seil in einen Kanal herunter lassen und wenn dieses keinen Alarm gibt, dann davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist. Da es gerade bei diesem Punkt zu hitzigen Diskussionen kommt, würde ich gerne die Vor- und Nachteile beider Messarten auflisten, unabhängig von den klaren Vorgaben führender Gerätehersteller. Diese besagen nämlich, dass ein Gaswarngerät mit Diffusionsbetrieb (also ohne Pumpe) zur persönlichen Schutzausrüstung zählt und eine Pumpe gerade dafür erfunden wurde um eine Freimessung zu ermöglichen. Eine Pumpe hat auch nicht zufällig einen Schlauchanschluss, also wird ein Schlauch vorausgesetzt. Wozu gibt es denn sonst Pumpengeräte? Klingt logisch. Womit wir jetzt bei den Vorteilen einer Pumpenmessung wären:

1. Ein Schlauch (oder eine Lanze) kann in ein Schacht/Kanal/Silo etc. eingeführt werden, ohne dass sich der Messende selbst durch Hinüberbeugen in die Gefahrenzone begibt. Denn bereits ein Atemzug kann schon zu viel sein, wenn die Atmosphäre mit giftigen oder erstickenden Gasen verseucht ist. Insbesondere Stickstoff führte schon oft zu tödlichen Unfällen, weil sich ein Mensch „nur mal kurz“ in eine Öffnung hineingebeugt hat.

2. Befindet sich lediglich der Schlauch in der Gefahrenzone, dann kann der Messende alle Messwerte an seinem Gerät sehen und beurteilen. Somit kann er Gefahren auch dann erkennen, wenn sie bereits vorhanden sind, aber nicht durch einen Alarm angezeigt werden, weil sie z.B. knapp unter einer Alarmgrenze liegen.

3.Gase können leichter oder schwerer als Luft sein, oder auch vergleichbar schwer. Nur mit Schlauch und Pumpe ist eine sichere 3-Punkte Messung machbar. Unten, oben und in der Mitte des Kanals/Behälter.

4.Beim Herunterlassen eines Gerätes könnte dieses beschädigt werden. Oder die Tasten z.B. an einer Leitersprosse betätigt werden, dann ist das Gerät womöglich verstellt. In beiden Fällen ist keine zuverlässige Messung gewährleistet.

5.Der Knoten des Seils kann sich lösen, dabei kann das Gerät verloren gehen, was nicht nur einen gravierenden finanziellen Verlust bedeutet, sondern eine Freimessung verhindert.

6.Sollte unser wertvolles Gaswarngerät den Weg nach unten durch einen engen Schacht mit rauen, harten Wänden tatsächlich heile überstehen, dann sieht es sich mit der Gefahr eines feuchten Kanalbodens konfrontiert. Natürlich sind die meisten modernen Produkte solide gebaut, aber Feuchtigkeit und Elektronik vertragen sich nie besonders gut. Und eventuelle Fäkalien (nicht selten in einem Kanal) oder andere Schadstoffe machen anschließend die Handhabung etwas unangenehm.

7.Ist ein Gaswarngerät am Seil unten, dann können die Messwerte, wie bereits erwähnt, nicht während des Messvorgangs abgelesen werden. Somit ist ein Messprotokoll nicht erstellbar.

8. Durch den Schlauch/Pumpeneinsatz ist nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch das Gaswarngerät an sich wesentlich besser geschützt. Erheblich geringere Belastung durch mechanische Beschädigungen sowie eine niedrigere Wahrscheinlichkeit einer Sensorvergiftung bedeuten eine längere Lebenserwartung aller Komponenten und somit dauerhaft geringere Betriebskosten.

Die Vorteile einer „Seilmessung“:
1.Günstigerer Anschaffungspreis für ein Diffusionsgerät
2.?

Weiteren Anregungen zum Thema stehe ich nicht nur offen gegenüber, sondern bin sehr dankbar, wenn ich Feedback erhalte.

 

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